Die Axt am Baum

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Aufnahmezeitraum: 2013-2014
Location: Aasee (Münster)
Koordinaten: 51.949444, 7.603514
Kamera: Fujifilm FinePix HS30EXR

"Schönster Park Deutschlands 2008", "Schönster Park Euro­pas 2009" – so wird der 'Aaseepark' in Wikipedias Liste berühmter Parks und Gartenanlagen geführt. Was war das eigentlich genau für ein Wettbewerb? Die Recherche im Internet ergibt, dass es sich hierbei um eine Initiative des Motorenherstellers Briggs & Stratton gehandelt hat. Seit der Auszeichnung ist die Zahl der Bäume am Aasee bedauerlicherweise Jahr für Jahr zurückgegangen. Vor allem durch Stürme. Zuletzt im Juni 2013 durch das Sturmtief Manni. Betroffen waren davon insbesondere Erlen und Pappeln. Letztere mit bis zu knapp 2,00 m Stammdurchmesser.

Häufig werden die Bäume auch aus Gründen der Verkehrs­sicherheit entfernt. Die jeweils angewendete Fälltechnik hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. Auch die Frage, ob der aus Wurzelstock und Stubbenholz bestehende Baumstumpf im Boden belassen oder aber z.B. durch den Einsatz von Stubbenfräsen ganz oder teilweise entfernt wird.

Am Aasee stimmen die riesigen Baum­stümpfe der Pappeln besonders traurig, aber auch die verstümmelt gelassenen Baum­stümpfe der Erlen in der Nähe vom Pardo Pier. Angesichts des Kahlschlags werden auf­merk­same Spaziergänger und Touristen wohl nicht mehr glauben können, dass sie gerade durch den schönsten Park Deutschlands und Europas gehen.

Manch einer wird sich vielleicht auch gefragt haben, wie das Fällen von Bäumen überhaupt geregelt ist. Nach welchen Kriterien wird über eine Fällung entschieden? Und wer ist dafür zuständig? [1] Und wieso werden die entstandenen Lücken und vor sich hin rottenden Überreste der ehe­maligen Bäume nicht zeitnah durch Neuanpflanzungen ersetzt [2]. Geht das so ohne Weiteres überhaupt [3]?

Wie hieß es doch gleich in dem offiziellen Statement der Stadt aus dem Jahr 2008, in denen für Aktionen zum Wohl der Stadtbäume geworben wurde:

"Wie kann man die Herzen der Bürgerinnen und Bürger für die Stadtbäume gewinnen? Bäume sind für die Wohn- und Lebensqualität in der Stadt wichtig. Diese Botschaft ist zwar vielen bekannt. Doch um in den Städten ein permanentes Bewusstsein zu entwickeln, sind öffentliche Aktionen und Informa­tionen notwendig. (...)" [4]

Erfreulicherweise wurden im März 2014 zahlreiche Neuanpflanzungen veranlasst – insbesondere in den Kahlschlagbereichen. Wie lange es jetzt wohl braucht, bis sich das Gefühl wieder einstellt, durch einen der schönsten Parks Deutschlands, vielleicht sogar Europas zu gehen?

Wie schrieb schon Eugen Roth:

»Zu fällen einen schönen Baum,
braucht's eine halbe Stunde kaum.
Zu wachsen, bis man ihn bewundert,
braucht er, bedenke es, ein Jahrhundert.«

Anmerkungen

[1] Helge Breloer, Baum- und Gehölzpflege nach dem neuen Bundesnaturschutzgesetz. In: AFZ-Der Wald 8/2010, S. 17ff.

[2] Wikipedia > Aufforstung

[3] "Darstellung der Wurzelverläufe und boden­kund­liche Feldansprache nahe der Ufermauer des Berliner Landwehrkanals", kubus - Kooperations- und Beratungsstelle für Umweltfragen, Zentraleinrichtung Kooperation (ZEK), Technische Universität Berlin, 2008 (PDF)

[4] Franz-Josef Gövert, Bürgerbäume in Münster. Aktionen zum Wohl der Stadtbäume. In: Stadt + Grün 10/2008, S. 52

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